Heio

 

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Geboren wurde ich als Heiko Wilhelm Koczy am 20.08.1970 in Recklinghausen-Hochlarmark.

Seitdem ich denken konnte war für mich klar: Ich werde Bergmann!

Inspiriert durch meinen Vadder, der Bergmann mit Leib und Seele war, kam für mich gar nix anderes in Frage. Wie auch?  500 Meter vom Pütt entfernt wohnend, schnupperte ich quasi schon als Säugling den Duft der Kohle.

Und sie roch gut! 

4 ältere Geschwister, drei Brüder und eine Schwester, ermöglichten mir (dem Nesthäkchen) ne echt lockere Kindheit. Das Aufwachsen in einer Zechensiedlung hatte seine Vor- und Nachteile. Man kannte sich, und beim Obstklauen beim Nachbarn gabs dann schon mal ne "Lasche" in den Nacken wenn man sich erwischen ließ. Da wurde keine große Sache raus gemacht, es herrschte so eine Art von Allgemeinerziehung. "Wenn deine Blagen nochma meine Birnen klau'n Franz, dann kriegen se aber nen Tritt in den Arsch"!  "Na warte, laß die mir ma nach Hause kommen. Hömma, kommse mit nache Erna auffe Pulle Bier?" Schon hatte sich dat Thema erledigt. Nach der dritten Granate ließen Sie den Kohlehobel wieder laufen, setzten Stempel, machten Meter... Kein Gedanke mehr an die Birnen. So war das bei uns. Eine bessere Kindheit hätte ich mir nicht wünschen können.

In den Ferien waren wir von morgens bis abends auf der Halde oder spielten im Wald. Zuhause waren wir dann nur zum Essen, und das auch nur kurz. Beide Eltern berufstätig, da wurde der Eintopf dann schon mal vom ältesten Bruder oder der Schwester gekocht. Sieben Jahre Abstand zum nächst älteren Bruder entbanden mich fast jeder Verantwortung. Ging mal was zu Bruch, was mir kleinem Trottel des öfteren mal passierte, kassierten die Geschwister Schimpfe oder nen deftigen Klapps für mich. Das taten die völlig freiwillig. Hehe, als der Kleine hatte ich es wirklich gut .

Da mein Vater kein Kneipenfreund war und fast keine Minute auf'm Arsch sitzen konnte, fand sein Wochenende im Garten statt. Er hatte, wie man so sagt, einen grünen Daumen. Mit Heidenspaß pflanzte er Blumen wie Gemüse, jätete Unkraut, stutzte die Hecke, harkte die Beete. Zum Abschluß wurde gegossen.

Erst dat Grünzeug, dann der Franz.

Auch das machte er gründlich und mit gebotener Sorgfalt. Was er tat, tat er richtig. Halbe Sachen gabs nicht.

Höchstens halbe Liter .

Nach der Grundschule kam mein Lehrer auf die glänzende Idee, mich auf die Realschule zu entsenden, was ich überhaupt nicht für gut befand. Anderer Stadtteil, andere Kameraden. Ich hab's echt versucht, ein ganzes halbes Jahr lang! 

Gab mir Mühe, da klar zu kommen, was mir aber im Endeffekt nicht gelang. Es lag nicht wirklich am Lehrstoff, eher an den Mitschülern. Die waren nicht so wie ich, komische Leute halt.

Nach 2 Jahren beendete ich dann meine Exkursion erfolgreich, kehrte den überkandidelten Schnöseln den Rücken und kam nach Hause. Zurück zu meinen Kumpels, zurück in meine Welt, der ich überhaupt nicht entfliehen wollte. Naja, meine Eltern waren nicht so erfreut, ich sollte doch was Gescheites werden.

Wurde ich ja auch, jedenfalls aus meiner Sicht. Mein Vater wollte nicht wirklich, daß seine Söhne auf der Zeche malochten, was sie aber trotzdem alle taten. 

Zwei mit nicht besonderer Begeisterung, weshalb sie es auch dort nicht lange aushielten- aber zwei mit voller Inbrunst!

Karl, der Älteste (der eigentlich Klaus-Dieter heißt, aber so nennt ihn keiner).

Und ich.

Also begann ich meine Lehre aufm Pütt. Ich wollte eigentlich Berg- und Maschinenmann werden, was sich hochgestochen anhört, aber nix anderes als Keule mit Brief (2Jahre Lehre) bedeutet.

Tja, da rief doch glatt einer vom Pütt an und fragte meine Mutter, ob ich nicht Lust hätte, Industriemechaniker (vormals Betriebschlosser) zu werden.

Ich betone: Er fragte meine Mutter- nicht mich .

"Jawoll, dat macht der!", meine Mutter war pragmatisch und, in dem Fall, viel zu entscheidungsfreudig...

Ich hätte Kotzen können.

3 1/2 Jahre Lehre, Scheiße. Schlosser, dat is doch kein richtiger Bergmann....

Ich war zwar sauer, aber ok, ich zog es durch. Im Nachhinein bin ich meiner Mutter echt dankbar dafür.

Wo keine Zechen sind, braucht man auch keine Bergmänner mehr.

Und am Ende wurden auch keine Schlosser mehr gebraucht.

Gut, dachte ich, werde ich eben Ausbeiner (Zerleger auf dem Schlachthof). Meine Brüder, die es auf dem Pütt nicht so toll fanden, haben sich damals für diesen Beruf entschieden, und mit den beiden hatte ich schon in den Schulferien gejobbt-es war mir also nicht fremd.

Das Bier wollte schließlich irgendwie finanziert werden .

7 Jahre gab ich dort mächtig Gas, es hat mir Spaß und Knete gebracht.

Drei Operationen an den Knochen (noch bevor ich 33 Jahre alt war), und billigere Migranten - Metzger verleideten mir dann auch diese Arbeit.

Ich hatte einen guten Sachbearbeiter beim Arbeitsamt- und bekam nach nur 4 Monaten Arbeitslosigkeit direkt ne Umschulung!

Tärää- Bingo!, ich wurde ein zweites Mal Industriemechaniker (lag ja nahe *g*). Und das werde, glaube ich, jetzt auch bis zur Urne bleiben.  

Es gibt einige unschöne Sachen in meinem Leben, an die ich mich nicht mehr so gerne erinnern möchte. Deshalb tu ich es auch nicht.

Zum Glück halfen mir vier Jungz aus Frankfurt recht gut durch diese harten Zeiten, bis sich 1996 alles verändert hat.

Da trat ein Mensch in mein Leben, der die graue Masse in meiner Rübe und mein Herz wieder aufweckte.

Meine Frau Tina. Ab da krümmte sich der Wurm anders für mich.

Das soll er auch gefälligst weiter tun. Und ich bin sicher, das wird er auch .

Zwei Herzen im Einklang des Ruhrgebeats. Eine ganz besondere Symphonie.

Mozart war n Stümper dagegen .

Glück Auf!

 

 

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