Wilhelm Busch


Dilemma

Das glaube mir- so sagte er-
Die Welt ist mir zuwider,
Und wenn die Grübelei nicht wär,
So schöß ich mich darnieder.

Was aber wird nach diesem Knall
Sich späterhin begeben?
Warum ist mir mein Todesfall
So eklig wie mein Leben?

Mir wäre doch, potzsapperlot,
Der ganze Spaß verdorben,
Wenn man am Ende gar nicht tot,
Nachdem man ist gestorben.


Sehr tadelnswert

Sehr tadelnswert ist unser Tun,
Wir sind nicht brav und bieder.-
Gesetzt den Fall, es käme nun
Die Sintflut noch mal wieder:

Das wär ein Zappeln und Geschreck!
Wir tauchten alle unter;
Dann kröchen wir wieder aus dem Dreck
Und wären, wie sonst, recht munter.

Neidisch?

Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.

Die Selbstkritik

Die Selbstkritik hat viel für sich,
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,

So hab ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;


Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.

Kopf und Herz

Wie es scheint, ist die Moral

Nicht so bald beleidigt,

Während Schlauheit allemal

Wütend sich verteidigt.


Nenn den Schlingel

liederlich,

Leicht wird er's verdauen;

Nenn ihn dumm, so wird er

dich,

Wenn er kann, verhauen.


Ach, ich fühl es!

Ach, ich fühl es! Keine Tugend
Ist so recht nach meinem Sinn;
Stets befind ich mich am wohlsten
Wenn ich damit fertig bin.

Dahingegen so ein Laster,
Ja, das macht mir viel Pläsier;
Und ich hab die hübschen Sachen
Lieber vor als hinter mir.

Sei ein braver Biedermann

Sei ein braver Biedermann,
Fange tüchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
Gerne mit emporgehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul?
Willst nicht, daß dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
Und verlege dich aufs Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenuß,
Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein selger Kritikus
Hocherhaben über allen.

Die hohen Gedanken

Es wohnen die hohen Gedanken
In einem hohen Haus.
Ich klopfte, doch immer hieß es:
Die Herrschaft fuhr eben aus!

Nun klopf ich ganz bescheiden
Bei kleineren Leuten an.
Ein Stückel Brot, ein Groschen
Ernähren auch ihren Mann.



Beiderseits

Frau Welt, was ist das nur mit euch?
Herr Walter sprach's, der alte.
Ihr werdet grau und faltenreich
Und traurig von Gestalte

Frau Welt darauf erwidert schnippisch:
Mein Herr, seid lieber stille!
Ihr scheint mir auch nicht mehr so hübsch
Mit eurer schwarzen Brille.

Schein und Sein

Mein Kind, es sind allhier die Dinge,

Gleichviel, ob große, ob geringe,

Im wesentlichen so verpackt,

Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.

---

Wie wolltest du dich unterwinden,

Kurzweg die Menschenzu ergründen.

Du kennst sie nur von außenwärts.

Du siehst die Weste, nicht das Herz.



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